Der Klimawandel und mein digitales Ich

Google Suchanfragen

Auch im Netz hinterlassen wir einen ökologischen Fußabdruck

Jetzt in Zeiten des Wahlkampfes werden Kampfbegriffe wie „Klimawandel“, „Umweltschutz“ und „Ressourcen“ von allen Parteien verwendet. Wie ehrlich sie es damit meinen, soll hier aber nicht Thema sein. Hier geht es um Sie. Ja, SIE, denn wenn Sie diese Zeilen hier lesen, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie mit jeder Email, jedem Youtube-Video, jedem Netflix-Film, jeder Amazon-Bestellung, ja sogar mit jeder einzelnen Google-Suche zum Ressourcenverbrauch beitragen.

Damit ist nicht gemeint, wieviel Fleisch Sie essen, oder wie oft Sie mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen. Es geht um den tatsächlichen Ressourcenverbrauch, um diesen Artikel zu lesen. Es geht ums Internet.

Internet und Energieverbrauch

Darüber, wieviel eine einfache Google-Suche an Energie kostet ist viel spekuliert worden. Tatsächlich ist eine realistische Einschätzung schwer. Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross schätzt, dass jede Sekunde im Internet 20 Milligramm CO2 verursacht. Einer Schätzung des Bundesumweltamtes von 2020 nach verbraucht jeder Bundesbürger 213 Kilogramm CO2 pro Jahr nur durch die Nutzung deutscher Server-Struktur.

Der größte Internet-Knoten der Welt steht in Frankfurt (Deutsche Commercial Internet Exchange [DE-CIX]). Darüber läuft so ziemlich alles, von Video-Streaming über Online-Games bis eben hin zur einfachen Google-Suche. Die französische Non-Profit-Organisation The Shift Project schätzt, dass allein dieses Rechenzentrum ca. 20% des Energieverbrauchs von Frankfurt beansprucht, und damit mehr als der Frankfurter Flughafen!

Das Freiburger Öko-Institut hat einige Modellrechnungen vorgenommen, um den CO2-Fußabdruck unseres digitalen Lebens zu ermitteln. Die dabei verwendeten Zahlen stammen aus Studien zu Herstellung und Nutzung von Geräten sowie unseres Konsumverhaltens. Wir geben die Zahlen hier kurzgefasst wieder. Wenn Sie Interesse an den genaueren Rechenspielen haben, empfehlen wir Ihnen den Artikel dazu. Er ist gut und leicht zu lesen.

  1. Herstellung digitaler Endgeräte: 346 kg CO2e pro Jahr
  2. Nutzung digitaler Endgeräte: 189 kg CO2e pro Jahr
  3. Datenübertragung: 76 kg CO2e pro Jahr
  4. Rechenzentren: 239 kg CO2e pro Jahr

In Summe also 850 kg CO2e pro Jahr

Wie gesagt, hier handelt es sich hier nur um ungefähre Größenordnungen, gibt aber einen recht guten Überblick.

Und wie ist es denn nun mit der Google-Anfrage?

Das ist in der Tat schwer zu bestimmen. Google selbst gibt sich bedeckt, betont aber, dass man seit Jahren an der Green-IT arbeitet, und seit 2007 wird bei jedem Bau eines Rechenzentrums auch in Windparks investiert. Angeblich betreibt Google seine Datenzentren seit 2017 zu 100% mit Solar- und Windkraft. Überprüfen lässt sich das freilich nicht. Man schätzt, dass Google jährlich so viel Energie verbraucht, wie die ganze Stadt San Francisco.

Ja, und ich jetzt?

Ach so, ja…

Google selbst sagt, das das von den Umständen abhänge: Auslastung der Server, Art der Daten (Mail, Stream, Audio), Außentemperatur (zwecks Kühlung) usw. Laut Google verbraucht demnach eine einfache Suchanfrage ca. 0,0003 Kilowatt. In CO2-Ausstoß umgerechnet wären das ungefähr 0,2g. Klingt nicht viel? Mit den persönlichen, monatlichen Suchanfragen könnte man eine 60-Watt-Birne drei Stunden mit Strom versorgen. Wem das immer noch recht wenig vorkommt, muss natürlich auch noch den sonstigen Energiebedarf für die Suchanfrage einbeziehen, z.B. die Energie, die notwendig ist, Ihnen das Ergebnis der Suchanfrage zuzuschicken (Text, Video, Musik), und ganz banal einfach den Strom für Ihr Ein- und Ausgabegerät!

So sehr die IT-Riesen versuchen, sich mit Ökostrom ein positives Image zu erarbeiten, liegt es wie immer am Verbraucher, also uns, den Weg zur Green-IT mitzugehen. In einem früheren Beitrag berichteten wir schon über die Suchmaschine Ecosia. Es sind Engagements wie diese, die als Leuchtturmprojekte neue Wege aufzeigen und Awareness schaffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.