TYPO3-Camp Vienna 2020

TYPO3-Camp Vienna

Hat es also doch noch funktioniert. Nachdem dieses Jahr bereits mehrere Treffen der TYPO3-Community abgesagt werden mussten, war es bis zur sprichwörtlich letzten Minute unsicher, ob das TYPO-Camp in Wien nicht auch den selben Weg gehen musste. Aber unter strengen Auflagen hat das dreitägige Get-together stattgefunden.

Ich im speziellen war besonders erfreut, denn für mich als Nichtprogrammierer war das mein erstes Eintauchen in die Welt der TYPO3-Enthusiasten. Eine spannende, informative Erfahrung, die mein Verständnis für das Denken und Handeln dieser (kann man das so sagen?) Subkultur erweitert hat. Denn im Gegensatz zu den meisten Klischees, waren die Vorträge, Onlinepodien und Pausengespräche nicht rein auf konzentriert, den perfekten Code zu entwickeln, obwohl ich meine, bei dem einen oder anderen Teilnehmer diesbezüglich ein schwärmerisches Tränchen entdeckt zu haben.

Rechtliche Notwendigkeiten…

Nein, neben einigen sehr technischen Vorträgen, die unter anderem von meinem geschätzten Kollegen Frank Berger abgehalten wurden (einer davon musste wegen großer Nachfrage sogar wiederholt werden), waren vor allem „softe“ Themen im Zentrum.

Natürlich war das Thema Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) mit all seinen Ausläufern (Cookie-Richtlinie, Privacy-Shield) ein Dauerbrenner. Speziell in den Pausen wurde lebhaft darüber debattiert, wie man aus einem Quadrat (rechtliche Vorgaben – Design – Kundenwünsche – technische Möglichkeiten) einen Kreis formen soll.

Ein Thema, das wir schon in früheren Blog-Beiträgen beleuchtet haben, hat auch hier breiten Raum eingenommen – Accessibility! Hier gab es vor allem zwei große Fragestellungen:

1) Wie kann ich den Kunden davon überzeugen, dass es sinnvoll und notwendig ist, die eigene Website barrierefrei zu gestalten. Diese Frage war wohl mit der Hauptgrund, dass insgesamt erstaunlich viele Content-Manager da waren, die zwar so wie ich nicht viel vom Programmieren verstehen, aber eben damit in Gesprächen mit Kunden konfrontiert sind. Letztlich sind es zwei Gründe: Zum einen die gesetzlichen Vorgaben, zum anderen Googles wachsendes Augenmerk auf dieses Detail. SEO lässt grüßen!

2) Wie kann ich als Entwickler eine Website sinnvoll testen? Welches Benchmarking gibt es? Kann ich das mit den gegebenen technischen Möglichkeiten überhaupt erreichen? Der Vorschlag, die Website einfach der eigenen Großmutter vorzulegen, erzeugte zwar viel Schmunzeln, trifft die Lösung ganz genau. Sprecht mit den Betroffenen! Es muss ja nicht die eigene Oma sein, aber Behindertenverbände und sogar einzelne Einrichtungen bieten das bereits an. Sie freuen sich über jede Berücksichtigung und finden Fehler, die wir aus Betriebsblindheit nicht erkennen.

Die Zukunft im Blick

Ein interessantes Thema, das ich in dieser Form so nicht erwartet hätte, war die Frage des Open-Source-Gedankens. Natürlich ging es auch um die Frage, wohin sich TYPO3 in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll, aber ein großer Anteil der Vorträge und Gespräche hatte durchaus politischen Charakter. Für mich, aus der Politikwissenschaft kommend, hatte das einen sehr unerwarteten Dreh bekommen. Thematisiert wurde z.B. wie sich eine Community, die sich die freie Verbreitung gemeinschaftlicher Software auf die Fahnen geschrieben hat, in einer immer protektionistischer, verschlossener agierenden Welt behaupten kann. Oder dass die TYPO3-Community eine eigene Art Entwicklungshilfe betreibt, die Menschen z.B. Afrika eine Option auf Selbständigkeit bieten will, indem sie kostenlose TYPO3-Schulungen durchführt, die letztlich ehrenamtlich bzw. im eigenen Urlaub stattfinden. Es gab viele leidenschaftliche Plädoyers für Offenheit, Freiheit und Gemeinschaftssinn.

Nächstes Mal wieder?

Falls sich jemand mal mit dem Gedanken getragen hat, bei so einer Veranstaltung reinzuschnuppern, kann ich das nur empfehlen. Die Themen sind vielfältig, und man bekommt einen schönen Eindruck davon, wie Programmierer so ticken. Ich jedenfalls werde nächstes mal (Stuttgart?) gerne wieder dabei sein.

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